Kommunikationsdesaster im Frankfurter ÖPNV

A 563 vom 28.10.2019: Was läuft schief zwischen den Akteuren im Frakfurter ÖPNV?

„Dem Fahrgast ist es egal, ob das Verkehrsunternehmen traffiQ heißt oder anders. Der Fahrgast möchte einen ordentlichen Nahverkehr, der durchschaubar ist. (…) Wer was im Hintergrund macht, muss den Fahrgast nicht interessieren.“ (H.J. von Berlepsch, ehem. traffiQ – Geschäftsführer)

Ja, so hätten es die Fahrgäste gern. Tatsächlich erleben sie aber in der täglichen Kommunikation mit den verschiedenen Akteuren (RMV = Verkehrsverbund, DB Regio = Betreiber S-Bahn im Auftrag des RMV, traffiQ = Auftraggeber und Besteller des ÖPNV Frankfurt, VGF = Betreiber U-/+ Straßenbahn, ICB + DB Regiobus Mitte + Transdev+Sippel = Betreiber der Buslinien im Stadt-gebiet Frankfurt), dass Verantwortlichkeiten hin und her geschoben werden.

Dass die Kommunikation nicht einmal zwischen dem Verkehrsdezernat und traffiQ funktioniert, obwohl beide im gleichen Haus und nur ein Stockwerk voneinander entfernt sitzen, war kürzlich zu erleben, als traffiQ die Fahrgäste der Buslinie 25 informierte, dass der Bus, der zum S6-Halt nach Berkersheim fährt, für drei Monate seine Fahrt einstellt. Notwendig sei dies, weil die Nidda-Brücke ertüchtigt werde. Diese Information erfolgte per Aushang in den Ferien und sollte nur wenige Tage später, am 1. Tag nach den Herbstferien, in Kraft treten. Als Alternative für die Fahrgäste aus Nieder-Erlenbach und Harheim wurden komplizierte und teils Tarifgrenzen überschreitende Alternativrouten von traffiQ vorgeschlagen, die die massive fehlende Ortskenntnis der traffiQ offenbarten. Nachfragen beim RMV, ob es während der Sperrung möglich sei, zu Fuß nach Berkersheim zu gelangen (wie es der Verkehrsdezernent im Oktober 2018 den Harheimer BürgerInnen im Verkehrsausschuss versprochen hatte), konnten die RMV-MitarbeiterInnen nicht beantworten.

Nach Protesten der BürgerInnen musste traffiQ das Vorhaben zurückziehen. Es stellte sich heraus, dass für die Baumaßnahme an der Brücke noch gar keine Baugenehmigung der Stadt vorlag. Dies hatte traffiQ, die die Maßnahmen gemeinsam mit der DB geplant hatte, übersehen

Ein weiteres Manko in der Kommunikation des Verkehrsunternehmens ist die Beschwerdestatistik. traffiQ legt in regelmäßigen Abständen die Reklamationszahlen vor, allerdings fließt nur ein Teil der Beschwerden überhaupt in die Statistik ein.

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Magistrat:

1. Wie kann es passieren, dass traffiQ Buslinien kappt für ein Bauvorhaben, das von der Stadt noch gar nicht genehmigt wurde?

2. Warum ist der Ansprechpartner für die Fahrgäste, der RMV, nicht über alle Maßnahmen im Busverkehr informiert? Laut B 239/18 umfasst das RMV-Twitterangebot auch Fragen der Fahrgäste an traffiQ – wie soll das jedoch funktionieren, wenn der RMV nicht über die notwendigen Informationen verfügt?

3. Ist es richtig, dass traffiQ telefonische Beschwerden von Fahrgästen über ausgefallene und verspätete Busse aus Datenschutzgründen nicht in die Statistik aufnimmt?

4. Fließen Beschwerden über den RMV-Twitteraccount in die Statistik ein?

5. Junge Menschen schreiben kaum noch E-Mails; welche moderne Möglichkeit, eine Reklamation abzusetzen, bietet der RMV noch?

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Anfragesteller: Stv. Luigi Brillante

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