Über Luigi Brillante

20 Jahre ist es, dass ich meine kommunalpolitische Arbeit in Frankfurt begonnen habe. Damals, 1997, wurde ich in die Kommunale Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) gewählt. Nach vier Jahren trat ich zum ersten Mal erfolgreich für die Europaliste zur Wahl in die Stadtverordnetenversammlung an, der ich seitdem angehöre. Im Fokus meiner parlamentarischen Arbeit standen von Beginn an die Themen Bildung und Integration.

Wie ist die Situation von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem? Wer mit den betroffenen Eltern spricht, erhält ein klares Bild von den Ungerechtigkeiten in einem Bildungssystem, das zu früh aussortiert und zu wenig fördert. Die Übergänge vom Kindergarten zur Schule, von der Grundschule zur weiterführenden Schule und zum Erreichen der Oberstufe, dies sind die sensiblen Phasen, an denen sich Benachteiligung zeigt und nachweisen lässt – wenn man die richtigen Fragen stellt. Darin sehe ich eine der wichtigsten Aufgaben als Stadtverordneter.

Warum sind die Sonderschulen für Lernhilfen fast zu 100 Prozent mit Migrantenkindern belegt und wie hoch ist die Rückschulungsquote – diese Frage hat mich zu Beginn meiner kommunalpolitischen Arbeit nicht losgelassen. 2005 nahm das Stadtparlament schließlich einen Antrag von mir an, der den Magistrat verpflichtete, regelmäßig die Zahlen offen zu legen – und es waren beschämende Zahlen für das deutsche Schulsystem. Erst durch die UN-Behindertenrechtskonvention wurde Deutschland gezwungen, diese Sonderschulen zu schließen, die in Frankfurt ohnehin kaum von behinderten Kindern besucht wurden, sondern deren Klassen fast ausschließlich aus Migrantenkindern bestanden.

Viel Engagement ist weiterhin nötig, damit die Bildungspolitiker sich dem Thema Querversetzung widmen: Warum sind es überwiegend Kinder mit Migrationshintergrund, die das Gymnasium trotz Lehrerempfehlung wieder verlassen müssen? Und warum funktioniert diese Versetzung nur nach unten und so gut wie nie nach oben?

Ein weiteres ungelöstes bildungspolitisches Problem ist die Versorgung mit Gymnasialplätzen in Frankfurt. Während in Stadtteilen, in denen sehr wohlhabende Bürger leben, fast alle Kinder ein nahegelegenes Gymnasium besuchen, gibt es in Stadtteilen mit hohem Arbeiter- oder Migrantenanteil überhaupt kein Gymnasium. Eine meiner Forderungen ist deshalb, endlich ein Gymnasium in Nied zu bauen.

Ein integrationspolitisches Thema, das mir seit langem am Herzen liegt, ist die Seniorenbegegnungsstätte Pro Seniore. Seit 2001 bemühe ich mich um eine bessere finanzielle Ausstattung des Treffpunkts für ältere Menschen, doch CDU und Grüne verweigern diesem Projekt, dass seit der Gründung ausschließlich durch ehrenamtliche Arbeit geleitet wird, eine bessere Unterstützung.

Immerhin prüfen will der Magistrat meine jüngste Idee, alle ausländischen Bürger/innen, die seit über 50 Jahren in Deutschland wohnen und ihren Wohnsitz in Frankfurt haben, zu einer Feierstunde im Kaisersaal einzuladen, wo der Oberbürgermeister ihnen für ihre Leistung dankt und sie ermuntert, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben.

Dies war ein kurzer Überblick über einige meiner parlamentarischen Initiativen. Wenn Sie einen vollständigen Überblick über meine Arbeit haben möchten, finden Sie diesen im parlamentarischen Inforationssystem der Stadt Frankfurt: PARLIS.

Zu meiner Person: Ich bin in Italien geboren und habe 1977 in Neapel mein Abitur gemacht. 1978 kam ich nach Frankfurt, wo ich Politikwissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität studierte. Seit 1989 bin ich Leiter des Büros des Patronato INCA / CGIL in Frankfurt am Main. Ich bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder.